...schau doch mal rein...

Evangelisch-methodistische Kirche Waiblingen-Hegnach

So 29. April - 10:00 Uhr
Gottesdienst
Pastor Dieter Jäger
Friedenskirche Hegnach
So 6. Mai - 10:00 Uhr
Gottesdienst
Lothar Steeb
Gemeindehaus Neckarrems
So 13. Mai - 10:00 Uhr
Gottesdienst mit Abendmahl
Dieter Jäger
Friedenskirche Hegnach
So 20. Mai - 10:00 Uhr
Gottesdienst zum Pfingsfest
Dieter Jäger
Gemeindehaus Neckarrems
Mittwoch, 25. April 2018
Der HERR hat?s gegeben, der HERR hat?s genommen; der Name des HERRN sei gelobt!
Wir wissen, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind.

Leidenschaftlicher Gottesdienst

Download MP3Heute ist der zweite Gottesdienst in der Reihe  „Fruchtbare Gemeinden und was sie auszeichnet“. Thema heute: „Leidenschaftlicher Gottesdienst“

Gottesdienst nennen wir die Zeiten, in denen wir uns versammeln, um Gott in Jesus Christus zu begegnen. Zeiten, wo wir unsere Beziehung mit Gott und untereinander als Volk Gottes pflegen.  Aber: Was bedeutet „leidenschaftlich“? Der 84. Psalm, den wir vorhin gelesen haben, könnte den Titel tragen: „Leidenschaftlicher Gottesdienst“.  Er sprüht vor Leidenschaft für den Gottesdienst.  

Ich sehe darin drei Vorstellungen über den Gottesdienst:

1. Sieh dich als Teil von Gottes Volk als Ganzem (Psalm 84,2-5)

Wenn Psalmbeter dichtet:

„Wie lieb sind mir deine Wohnungen, HERR Zebaoth!  Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des HERRN; mein Leib und Seele freuen sich in dem lebendigen Gott. ... Wohl denen, die in deinem Hause wohnen; die loben dich immerdar.“ (Psalm 84,2f.5)

dann zeigt sich darin eine große Leidenschaft. Eine Leidenschaft, die aber immer Viele umfasst. Denn bis heute ist es für biblischen Glauben kennzeichnend, dass sich die Gläubigen als „Volk Gottes“ verstehen. Ein Volk, das Gott erwählt und mit dem er einen Bund geschlossen hat. Und der Gottesdienst bezeichnet die Versammlung aller, die zu Gottes Volk gehören.

Es gibt drei Stichworte, unter die wir die verschiedenen Teile und Elemente des Gottesdienstes ordnen können. Diese drei Begriffe zeigen, was einen Gottesdienst auszeichnet:

KU Band

a) Es geht im Gottesdienst um Lob und Anbetung Gottes

Das ist Sinn und Zweck der Tieropferung im Tempel - aber auch von der urchristlichen Gemeinde wird berichtet – ob im Tempel oder in Privathäusern: Das Lob Gottes war ein ganz wesentliches Element des Gottesdienstes (Apostelgeschichte 2,47). Die Formen mögen sich ändern – der Inhalt bleibt.

b) Es geht im Gottesdienst um Verkündigung und Erbauung durch Gottes Wort

Nicht umsonst wird die Predigt auf dem Bezirk hochgeschätzt. Darauf warten die Menschen hier – sie wollen hören, was Gott ihnen zu sagen hat – und wo dies zu Zeiten der Bibel gefehlt hat, hat Gott Propheten berufen, die dies übernommen haben.

c) Schließlich geht es im Gottesdienst um die Gemeinschaft der Menschen, die die Gemeinde ausmachen

Das, was in der sog. Zeit der Gemeinschaft geschieht: Weitergabe von Nachrichten und Erfahrungen, bis hin zur Benennung von Problemen. Und die Hilfe für die Witwen und Waisen, ist durch die Bibel sprichwörtlich geworden. Für Jesus und seine Freunde war das Feiern von Gottesdiensten fester Bestandteil des Lebens – das zeigt:  Sie sahen sich als Teil von Gottes Volk als Ganzem. Jesu Ziel war nicht, einen exklusiven Kreis zu sammeln. Jesus hatte die Vision für seine Gemeinschaft als eine offene Gruppe innerhalb von Gottes Volk. Und uns würde es gut tun,  uns auch als Teil von Gottes Volk als Ganzem zu sehen.

InterviewAber nun die Frage:  Wie kommt es bei Jesus zu jener tiefen Leidenschaft für den Gottesdienst?  Jesus verspürte ein unbedingtes Muss, dorthin zu gehen, obwohl die dort maßgeblichen Leute – Synagogenvorsteher, Priester, Schriftgelehrte und Pharisäer – ihn ganz offensichtlich nicht mochten!

Ähnliches hören wir von den ersten Christen: Wie Jesus lassen auch sie keinen Gottesdienst aus. Immer wieder werden sie deshalb angegriffen, eingesperrt und eingeschüchtert. Und dennoch halten sie fest am Gottesdienst und es wird berichtet: „sie waren täglich ... im Tempel“ (Apostelgeschichte 2,46).

Oder die ersten Methodisten: Wesley erklärt den Gottesdienst der Kirche für sie zur ersten Bürgerpflicht. Und das, obwohl die Gottesdienste überwiegend öde waren und die Pfarrer die Methodisten drangsalierten. Frage: Wieso?  Antwort: Für Wesley ist der Gottesdienst die Versammlung von Gottes Volk. Und Gottes Volk ist mehr als mein Hauskreis, meine Jugendgruppe oder der Posaunenchor.

Wer Jesus nachfolgt, sieht sich als Teil von Gottes Volk als Ganzem. Und er drückt das aus durch den Besuch des Gottesdienstes. Übrigens auch im Urlaub und in den Ferien, weil Gott ja auch keinen Urlaub von uns macht.

Der zweite Grund für die Leidenschaft für den Gottesdienst. 

2. Verstehe den Gottesdienst als Gnadenmittel (Psalm 84,6-8)

Dass der Psalmbeter eine so große Erwartung an den Gottesdienstbesuch hat („Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des HERRN“), liegt an seinem Gottesdienstverständnis.  Darum geht es im 2. Teil seines Gebets, wo es heißt: 

„Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten und von Herzen dir nachwandeln! Wenn sie durchs dürre Tal ziehen, wird es ihnen zum Quellgrund, und Frühregen hüllt es in Segen. Sie gehen von einer Kraft zur andern  und schauen den wahren Gott in Zion.“ (Psalm 84,6-8)

LichterkreuzDer Gottesdienst ist für den Beter ein Ort, wo er Gottes Stärke erfährt, seine Gegenwart, Rettung in Not  und Segen. Er versteht den Gottesdienst als Gnadenmittel. Was ist ein Gnadenmittel?  Gnadenmittel nennt Wesley äußere Zeichen, Worte oder Handlungen, die Gott eingesetzt hat mit dem Ziel, uns seine Liebe, Kraft und Gegenwart zu vermitteln. Gebet, Abendmahl, Bibelstudium – und auch der Gottesdienst ist eines dieser Gnadenmittel.

Aber: Was heißt das konkret? Im Gottesdienst erfahren wir Gott ganz persönlich. Der Psalmbeter sagt von denen, die sich im Gottesdienst versammeln: 

„Sie ... schauen den wahren Gott in Zion.“ (Psalm 84,8)

Robert Schnase sagt im Kapitel über den Gottesdienst:

„Gottesdienste sind Gelegenheiten, um weniger über uns selbst und mehr über den Glauben, weniger über unsere persönlichen Pläne und mehr über Gottes Willen nachzudenken. Wir gewinnen eine neue Sicht für die Wirklichkeit ..., sodass Gottes Geist unser Leben umgestalten und uns in den Leib Christi einfügen kann.“ (S. 44)

Dazu gehört für mich auch, dass ich mit allem, was mich belastet, DASEIN darf: Mein mangelnder Selbstwert, eine alte Schuld, meine innere Leere, die Hoffnung auf ein gelingendes Leben  oder einfach Angst vor dem Tod und was dann kommt ...

Gott verspricht, dass er dem Allem im und durch den Gottesdienst in einer heilvollen Weise in unser Leben wirkt. Und darum: Verstehe den Gottesdienst als ein Gnadenmittel! Aber: Wie finden wir zu einem solchen Gottesdienstverständnis? – Deshalb:

3. Gib dich Gott ganz hin (Psalm 84,11-13)

Frage: Wie kann das geschehen? Antwort: Ganz einfach: Lass den Gottesdienst die wichtigste Stunde der Woche werden.

Es geht um die Einstellung, die unser Psalmbeter im dritten und letzten Teil seines Gebets so ausdrückt:

„Ein Tag in deinen Vorhöfen ist besser als sonst tausend. Ich will lieber die Tür hüten in meines Gottes Hause als wohnen in der Gottlosen Hütten.“ (Psalm 84,11)

Mit diesen Sätzen gibt der Psalmist eine Antwort auf die Frage: „Wie finde ich zu einem leidenschaftlichen Gottesdienst?“ Die Antwort ist: Gib dich Gott ganz hin! Räume Gott die erste Stelle in deinem Leben ein. Lass den Gottesdienst für dich die wichtigste, zum Glück immer wiederkehrende Stunde in deinem Leben sein. Dies entspricht der Grundhaltung Jesu, wenn er sagt:

„Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit“ (Mt 6,33).

Im Gottesdienst erfüllen wir das wichtigste Gebot, das Jesus uns lehrt. Auf die Frage nach dem höchsten Gebot, sagt Jesus: 

»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«.  Dies ist das höchste und größte Gebot.  Das andere aber ist dem gleich:  »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«. (Mt 22,37ff)

Der Gottesdienst zieht uns zu Gott  und lässt uns gleichzeitig dem anderen die Hand reichen. Darum ist er die wichtigste Stunde der Woche! Gottesdienst ist mehr als eine Veranstaltung. Er ist eine Haltung der Hingabe an Gott.

Paulus sagt das in seinem Brief an die Gemeinde in Rom: 

„Ich ermahne euch ..., dass ihr euer Leben hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist. Das sei euer ... Gottesdienst.“(Römer 12,1)

Frage: Was ist „Leidenschaft“? –  Antwort: „Leidenschaft“ ist alles, was Leiden schafft. Das gilt auch für den Gottesdienst. Darum geht es auf dem Weg zu leidenschaftlichem Gottesdienst nicht ohne Opfer ab.

Leidenschaftlicher Gottesdienst kostet ein Opfer von Zeit. Der von mir hochgeschätzte Jörg Zink schreibt dazu:

„Nach alter Sitte soll man … den Gottesdienst mitfeiern. Die Sitte verliert von Jahr zu Jahr an prägender Kraft, auch für Christen. ...  Woher kommt es, dass der Gottesdienst nur selten noch die Kraft hat, einem Sonntag das Gesicht zu geben oder gar in eine Woche hineinzuwirken? ... Unser Sonntag ist überfordert. Ein Arzt heilt nicht in einer Woche, was an einem Körper in zehn Jahren gesündigt wurde. ... Eine Stunde Gottesdienst sammelt den nicht, der eine Woche lang fahrig und zerrissen gelebt hat. Der beste Prediger und die schönste Liturgie schaffen es nicht. Ob der Sonntag seinen Sinn behält, entscheidet sich an den Werktagen.“ (Jörg Zink) 

Leidenschaftlicher Gottesdienst kostet ein Opfer von Zeit, auch an Werktagen. 

Anspiel: Probe der TheatergruppeEin Zweites: Leidenschaftlicher Gottesdienst kostet ein Opfer von Vorlieben. Die Theaterszene vorhin hat gezeigt, wie schwierig es ist, vier Generationen mit ganz unterschiedlichen Lebensstilen und Sprachen im Gottesdienst unter einen Hut zu bringen. Doch: Wie kann das gelingen? Der Schlüssel zu einem fruchtbaren Gottesdienst ist die Bereitschaft der einzelnen, eigene Lieblingsformen um der Anderen Willen aufzugeben. Leidenschaftlicher Gottesdienst kostet ein Opfer von Vorlieben.

Dass der Gottesdienst eine Versammlung von Gottes Volk als Ganzem wird und dass ihn möglichst viele, vor allem die Gott-Suchenden als ein Gnadenmittel erfahren, dafür braucht es die geistliche Reife vieler, die um der anderen willen, Formen, Elemente und Musik bejahen, die ihrer selbst nicht entsprechen. Um es mal extrem zu sagen: Jesus hat sein Leben gegeben, dass wir gerettet werden. Ist es zu viel verlangt, wenn ich um der Gemeinschaft willen Gottesdienstelemente bejahe, die nicht meinem Stil und meinen Vorstellungen entsprechen, damit die frohe Botschaft ihre Adressaten tatsächlich erreicht? 

Damit unsere Gottesdienste zu Zeiträumen werden, von denen unser Psalm sagt:

„Der Vogel hat ein Haus gefunden  und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen – deine Altäre, HERR Zebaoth, mein König und mein Gott.“ (Psalm 84,4)